Kritik an der eGK
explodierende Kosten
Die zu erwartenden Kosten werden unterschiedlich eingeschätzt - wir meinen, dass auf jeden Fall die Ausgaben für Karten und Lesegeräte, die Kosten der technischen Infrastruktur sowie die der Anpassungen an Hard- und Software in Praxen und Krankenhäusern dazu zählen. Weitere geplante Funktionen werden weitere Kosten verursachen.
fehlende Kosten/Nutzen-Rechnung; explodierende Kosten bei fehlendem Nutzen?
- sollten die Kosten im Jahre 2004 offizell noch bei 700 Mio € liegen, sind nunmehr 1,6 Mrd. € veranschlagt. Neben Ärzten, Kliniken und Apothekern sollen die Krankenkassen den größten Teil davon bezahlen.
- 2006 veröffentlichte der Chaos Computer Club ein Whistleblower-Dokument der Gematik, wonach die Gesamtkosten mehrere Milliarden betragen, ein Nutzen aber nur bei Annahme günstigester Bedingungen erkennbar sei.
- 2009 analysierte dieselbe Strategieberatung wie 2006, Booz Allen Hamilton, Kosten zwischen 2,8 und 5,4 Milliarden € für die Einfrührung der eGK.
- Ebenfalls 2009 berichtete das ARD-Magazin Monitor von Kosten bis zu 14.1 Mrd. € im ungünstigen Fall.
Datensicherheit
als Chipkarte erlaubt die eGK viel.
- Die Speicherung von Patientendaten soll nicht auf der EGK erfolgen, sondern in der Telematik-Infrastruktur, d.h. auf Rechnern, die über das Internet miteinander verbunden sind, verschlüsselt natürlich. Endlose Skandale zum Beispiel im Bankbereich (CDs mit Schweizer Schwarzgeldkonten) zeigen, dass eine sichere, zentrale Speicherung von Massendaten nicht möglich ist.
- Die EGK speichert zusätzliche Daten außer Identitätsdaten, z.B. diverse Listen von Zugriffen.
- Über die Datensicherheit der technischen Lösungen mit der eGK wird öffentlich kaum debattiert.
- die eGK ist nicht nach ISO/IEC 15408, den internationalen Kriterien für die Sicherheit von Informationsystemen, zertifiziert.
-
Technische Mängel
dazu kommen Mängel aller Art:
- Schwachstelle Verbindungsaufbau zu den diversen Servern im Internet. Für den Zugriff zum Beispiel auf die Pflichtanwendung "Stammdatenmanagement" ist eine Internetverbindung erforderlich. Überlange Laufzeiten sorgen für Wartezeiten und erhöhte Arbeitsbelastung in den arztpraxen.
- Schwachstelle PIN, die zum Zugriff auf die direkt auf der eGK gespeicherten Daten nötig ist. Nicht jeder kann sich, wie Kanzlerin Merkel hofft, auch noch eine vierte merken. Und wer sie irgendwo hinschreibt, sollte diese PIN sehr, ser gut verstecken.
- In Testregionen wurden zwischen 30 und 75 Prozent der Versichertenkarten und auch der Heilberufskarten durch falsche Eingabe der initialen 6-stelligen PIN dauerhaft gesperrt.
- bereits eine einfache Anwendung wie das elektronische Rezept ergab im „10.000er Feldtest“ 2008 Probleme. Die Arztsoftware (zugelassen durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung) war mangelhaft.
Inhaltliche Mängel
Viele Fragen sind noch völlig offen, darunter der entscheidende Punkt, was nun eigentlich genau mit der eGK gemacht werden soll.
offene Fragen:
- um die Daten auf der eGK selbst zu ändern, benötigt jede(r) ein Lesegerät oder Zugang zu einem eKiosk.
- Unklar ist, wer alles Daten auf den zentralen Servern ändern oder wer sie alles einsehen kann.
- Andererseits haben nicht nur Ärzte, Apotheker oder Kassen Zugriff auf Daten, sondern nicht zuletzt die gematik und ihre Dienstleister, wie IBM. Wenn eine PIN verloren geht, wird die Elektronische Gesundheitsakte wieder herstellbar sein müssen, so dass es Verfahren gibt, ohne Zustimmung des Patienten darauf zuzugreifen.
- Das Interesse der Ärzte an einer lückenlosen Dokumentation und das Interesse der Patienten an informationeller Selbstbestimmung sind nicht zu vereinbaren. Eine nutzbringende und rechtlich korrekte zentrale medizinische Akte ist daher nicht möglich.
Wir sind der Ansicht, dass bei der eGK nur eins klar ist: Sie schafft mit enormem finanziellen Aufwand den "gläsernen Patienten". Eine gigantische, nutzlose Überwachungsmaschinerie, mit dem die Kassen das Verhalten von Patienten und Ärzten kontrollieren und steuern können.
Das wollen wir nicht!